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AGA-Covid-19-Umfrage zeigt massive Auswirkungen auf die orthopädische Versorgung in der DACH-Region

Die AGA hat im Mai eine Umfrage innerhalb der Mitglieder in Deutschland, Österreich und Schweiz bezüglich der Auswirkungen der COVID-19 Pandemie und deren Einfluss auf Ihre Patienten bzw. Ihre Arbeit durchgeführt.

Die Teilnahme an der 1. Umfrage mit 1.399 Antworten war überwältigend und stellt in der internationalen Literatur bis dato die umfangreichste Erhebung zu Einschränkungen in der orthopädischen Gesundheitsversorgung dar.

Hier sind die Ergebnisse:

AGA-Mitglieder-Teilnahme an der Umfrage:
71% in Deutschland
16% in Österreich
13% in der Schweiz

11% der KollegInnen arbeiteten in einem akademischen Zentrum, '
48% in einem nichtakademischen öffentlichen Krankenhaus, 
28% in einem privaten Krankenhaus und 
38% führten eine Privatpraxis. 

Elektive stationäre Eingriffe waren in 60% nicht mehr möglich, 53% der KollegInnen gaben an, dass alle ambulanten Eingriffe abgesagt werden müssten. 

Nahezu alle orthopädischen Chirurgen (91%) gaben an, dass ihr persönliches Operationsvolumen drastisch reduziert wurde - eine Kapazität, mit der mehr Verwaltungsarbeiten als üblich durchgeführt wurden (42%). 

21% der teilnehmenden AGA-Mitglieder wurden jedoch sogar nicht orthopädischen Aufgaben zugewiesen. 

In Bezug auf eine mögliche Störung der orthopädischen Versorgung gaben 20% der Teilnehmer an, dass alle chirurgischen Eingriffe an ihren Arbeitsplätzen abgesagt wurden. In Bezug auf arthroskopische Eingriffe gaben nur zwischen 10% und 30% der Teilnehmer an, dass diese noch durchgeführt wurden - wobei die tatsächlichen Prozentsätze von den spezifischen Gelenken und Verfahren abhängen. 

Nur 6% der Teilnehmer gaben an, dass in ihren Zentren noch eine elektive Gelenkendoprothetik durchgeführt wurde. 
12% der Teilnehmer gaben an, dass noch aseptische Revisionen der Endoprothetik durchgeführt wurden. 
25% gaben an, dass den Patienten noch Rekonstruktionen des vorderen Kreuzbandes angeboten wurden. 

Ungefähr 50% der Teilnehmer gaben an, dass die Reparatur der Rotatorenmanschette nicht mehr durchgeführt wurde.

Nahezu kein Teilnehmer (<1%) berichtete, dass sogar Femurfrakturen oder Sarkompatienten verschoben wurden.  

In Bezug auf postoperative Nachsorgeuntersuchungen gaben 12% der Chirurgen an, dass sie ihre operierten Patienten nicht mehr nachverfolgen können. 
27% gaben an, dass postoperative Nachuntersuchungen nur bei Hochrisikopatienten durchgeführt wurden. 
57% und 54% gaben an, dass sie immer noch normale klinische bzw. radiologische Nachuntersuchungen durchführen. 

Es wurde auch berichtet, dass der Zugang zur physikalischen Therapie signifikant beeinträchtigt ist. 
Nur 35% der Teilnehmer antworteten, dass ihre Patienten noch Zugang zu ambulanter Physiotherapie hätten. 
Rehabilitationszentren wurden zu 19% als noch funktionsfähig gemeldet. 

Über das Problem der Behandlung von Patienten hinausgehend, gaben 
53% der Teilnehmer an, bereits SARS-CoV-2-positive Patienten in ihren Abteilungen zu haben. 
42% gaben an, SARS-CoV-2-positive Kollegen zu haben. 

43% der Chirurgen gaben an, dass immer noch professionelle Besprechungen und Konferenzen abgehalten wurden, jedoch mit reduziertem Personal, während 21% angaben, dass das gesamte Personal weiterhin an Besprechungen teilnahm, jedoch mit Sicherheitsabständen.
8% besprachen sich nur in Telefonkonferenzen. 

13% der Chirurgen gaben an, dass sie versucht haben, Abstand zu ihren Familien zu halten, 
9% gaben an, dass sie keinen physischen Kontakt zu ihren Familien hatten, 
7% führten zu Hause eine Flächendesinfektion durch. 

5% der Umfrageteilnehmer lebten zu Hause in getrennten Räumen,
3% gaben an, von zu Hause fernzubleiben und
11% waren während dem erfragten Pandemiezeitraum beurlaubt. 

81% gaben an, ihre Hände häufiger gewaschen und desinfiziert haben, 
75% handelten während der Arbeit vorsichtiger. 

Die Arbeit wurde im KSSTA publiziert und kann dort auch eingesehen werden:
Massive cutback in orthopaedic healthcare services due to the COVID-19 pandemic. Liebensteiner MC, Khosravi I, Hirschmann MT, Heuberer PR; Board of the AGA-Society of Arthroscopy and Joint-Surgery, Thaler M.Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2020 Apr 30:1-7. doi: 10.1007/s00167-020-06032-2.

 

Dr. Philipp Heuberer
AGA-Präsident

AGA
Gesellschaft für
Arthroskopie und Gelenkchirurgie
Sitz der Gesellschaft: CH-8034 Zürich, Schweiz
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